Besichtigung der Gemeinschaftsantenne
Von Ossingens Verkabelung träumen die Städte
Es begann 1987 mit einem einzelnen Kabelfernsehanschluss. Heute erhalten von Ossingen aus 2000 Anschlüsse via Glasfasertechnologie ihr Internet, TV, Radio und Telefon.
Die FDP Ossingen lädt mehrmals jährlich unter dem Motto «Lerne dein Dorf kennen» zur Besichtigung interessanter Betriebe. Am Freitag, 5. August 2011 wollten 20 Interessierte einmal die Nase bei den Dällenbachs reinstecken, die Veranstaltungstechnik zur Verfügung stellen und die Gemeinschaftsantenne Ossingen (Gao) führen. In Grüppchen wurden die Neugierigen in verschiedene Räume geführt, die allesamt bis unter die Decke mit Elektronik vollgestopft sind.
Heute laufen die Gao-Fäden bei Marcel Dällenbach zusammen. Doch er hat das Flair für die Telekommunikation auch nicht gestohlen, sein Vater Fritz hat bereits die Anfänge gelegt und bei der PTT die Prüfung zum fernsehtechnischen Leiter abgelegt. Und auch die dritte Generation ist viel versprechend: Der erst sechzehnjährige Oberstüfler Peter Dällenbach erklärte an einer Station der Führung selbstständig und souverän die technischen Zusammenhänge.
Angefangen hat es 1987, als die Dällenbachs für sich selber Kabel-TV wollten und einen Mast aufstellten. Immer mehr direkte Nachbarn anfragten, ob sie sich auch noch «dranhängen» dürfen. Monika Dällenbach, die Mutter von Marcel, erinnert sich an diese Zeiten, die heutigen Kindern mit Hunderten Sendern aus aller Welt unvorstellbar klingen: Damals empfing man in den meisten Stuben drei oder vier Sender, darunter den Schweizer, ARD und ZDF. Wer den «Österreicher» hatte, konnte sich schon «von und zu» schreiben. Erst die Satellitenschüsseln brachten die Welt in die gute Stube. Und die Gemeinschaftsantennen brachten die Satellitenprogramme via Kabel, statt dass auf jedes Dach eine Installation musste.
Die Dällenbachs hängten also ihre Nachbarn an ihr Fernsehnetz an und schufen stetig die technischen Voraussetzungen für ein grösseres Netz. Später kam das Internet dazu. Dällenbach wurde einer von etwa 300 Providern in der Schweiz. Die meisten Provider haben etwa Gao-Grösse und versorgen zwischen 2- und 6000 Kunden. Ein kleinerer Teil versorgt nur um die hundert Anschlüsse, und wenige grosse Provider haben mehr als 10 000 Kunden.
Von Ossingen aus wurde Truttikon mit einem Kabel im Boden direkt erschlossen. Via Signallieferung über Drittnetze, unter anderem über die Datenleitung entlang dem SBB-Schienennetz, werden auch Kunden in Gemeinden weitab bedient, in Oberhasli, Oberglatt, Wallisellen und Zürich-Altstetten.
Heute stellt Marcel Dällenbach kontinuierlich auf Glasfaserleitungen um. FDP-Präsident Peter Meier, selber ein Fachmann für Glasfaserkomponenten, wies in seiner Einführung darauf hin, dass der Status Quo in Ossingen das ist, was die Städte eben erst am Planen sind: So hat der Gao das Neubauquartier Ennetbrugg bereits bis hinein in die Wohneinheiten durchgängig mit Glasfaserkabeln angeschlossen, die doppelt so schnelle Verbindungen ermöglichen. Dazu Meier: «Viele Städter wundern sich, dass wir hier auf dem Land schon geteerte Strassen haben. Wenn die wüssten».

